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Convenience Shop 4 Min. Lesezeit

Self-Checkout im Shop: Was an der SB-Kasse liegen bleibt

von Reiner Graul

Self-Checkout im Shop: Was an der SB-Kasse liegen bleibt

In Sankt Augustin läuft rund jede zehnte Transaktion über die Selbstbedienungskasse. Kuttenkeuler Mineralöl rüstet weitere bft-Standorte in Nordrhein-Westfalen um, und damit erreicht der Self-Checkout die kleine Fläche, auf der jeder Quadratmeter zählt. Für den Shop stellt sich eine Frage, die an der bedienten Kasse nie jemand stellen musste: Wer verkauft jetzt den Riegel?

Aus dem Pilotversuch ist Bestand geworden

Die Zahlen des EHI zeichnen eine klare Linie. In der Markterhebung vom November 2025 standen SB-Kassen in 10.366 Geschäften, ein Plus von 143 Prozent binnen zwei Jahren, über 38.650 installierte Terminals, davon rund 25.000 im Lebensmittelhandel. Jede achtzehnte Kasse im deutschen Handel bedient sich selbst.

Seither hat das Tempo angezogen. Kaufland brachte im März 2026 SB-Kassen und Handscanner unter dem Namen K-Scan in alle deutschen Filialen, rund 2.000 Terminals in etwa 300 Märkten, mit dem Ziel von über 8.000 Geräten. In den umgerüsteten Märkten greifen rund 40 Prozent der Kunden zur SB-Kasse. Die EHI-Studie „Checkout-Trends 2026" von Februar zeigt, wohin die Investitionen laufen: 56 Prozent der befragten Händler sehen Handlungsbedarf bei SB-Lösungen, die Kassenhardware ist im Schnitt 5,9 Jahre alt, und 88 Prozent planen binnen zwei Jahren Änderungen an der Checkout-Zone.

Die Rechnung dahinter ist auf der Personalseite schnell aufgemacht. Der Mindestlohn liegt seit Januar bei 13,90 Euro, für 2027 sind 14,60 Euro vorgesehen, und Personal für die Randzeiten zu finden bleibt die Daueraufgabe jedes Betreibers. Ein Terminal arbeitet zuverlässig um sechs Uhr morgens und um elf Uhr abends.

Die Kasse wird schneller, die Quengelzone leiser

Die Kassenzone ist die letzte Fläche im Shop, auf der ein Kauf entsteht, den niemand geplant hat. Sie funktioniert über einen einfachen Mechanismus: Der Kunde steht kurz still, die Hände sind frei, der Blick wandert, und in Griffhöhe liegt genau die Ware, die man mitnimmt, ohne sie auf den Zettel geschrieben zu haben. Wartezeit ist hier Verkaufszeit.

Am SB-Terminal fällt dieser Mechanismus weg. Der Kunde scannt, packt um, sucht das richtige Feld auf dem Bildschirm, hält die Karte an das Lesegerät. Hände und Blick sind beschäftigt, und der kurze Leerlauf, aus dem der Impulskauf entsteht, verschwindet zusammen mit der Schlange. Wer die Quengelzone unverändert an der bedienten Kasse belässt und daneben zwei Terminals aufstellt, verlagert Frequenz aus der einzigen Zone des Shops, die auf Zusatzverkauf ausgelegt ist.

Für einen Tankstellenshop wiegt das schwerer als für einen Supermarkt. Rund 65 Prozent des Tankstellenumsatzes entfallen laut bft auf Shop, Gastronomie und Services. Der Deckungsbeitrag dieser zwei Drittel hängt stark an Kategorien, die spontan gekauft werden: Süßwaren, Salzgebäck, Kaltgetränk, der zweite Kaffee.

Was an die Stelle der Schlange tritt

Die Antwort liegt im Kundenlauf. Sobald ein Terminal steht, entsteht ein neuer Weg durch den Shop, eine neue Warteposition und eine neue Blickachse. Diese drei Punkte lassen sich messen und bespielen: die Strecke zwischen Kühler, Kaffeeautomat und Terminal, die Fläche unmittelbar vor dem Gerät, auf der der Kunde tatsächlich einen Moment verharrt, und die Sichtachse, die er beim Bezahlen einnimmt.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, der dem Shop entgegenkommt. Altersverifikation bei Tabak und E-Zigaretten bindet weiterhin einen Mitarbeiter an das Terminal. Wer diese Rolle als Gastgeber statt als Aufsicht anlegt, gewinnt genau das Gespräch zurück, das an der bedienten Kasse den Zweitkauf ausgelöst hat. Das Bezahlverhalten spielt ebenfalls mit: Nur 23 Prozent der Geschäfte mit SB-Kassen nehmen dort noch Bargeld an, und die Bundesbank meldet für 2025 erstmals mehr als die Hälfte aller Alltagseinkäufe bargeldlos. Der Weg zum Terminal wird also für immer mehr Shopper zum Normalweg.

Zwei Perspektiven, eine Entscheidung

Betreiber sehen an ihren Terminals, wie viele Transaktionen darüber laufen und wie sich der Bon verändert. Shopper erklären, warum sie den einen oder den anderen Weg wählen und was ihnen dabei durchgeht. Erst beide Seiten zusammen ergeben eine Entscheidungsgrundlage für die Frage, wie die Kassenzone nach der Umrüstung aussehen sollte.

Genau dort setzt die Self-Check-Out-Studie an, die Bormann & Gordon 2026 mit einer Händler- und einer Shopperbefragung durchführt. Die Leitfrage lautet: Was gewinnt der Shop an Geschwindigkeit, und was muss er an anderer Stelle neu aufbauen, um den Zusatzverkauf zu halten?

Wer vor einer Umrüstung steht, sollte die Quengelzone im selben Projektplan mitdenken wie die Terminals. Über Kundenlauf, Verweildauer und Platzierung an der neuen Kasse sprechen wir gern persönlich.

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