Cappuccino bleibt König, und das ist die gute Nachricht
von Reiner Graul
Eine neue Kaffeestudie von Aral bestätigt, was Betreiber täglich an der Maschine beobachten: Der Cappuccino bleibt der beliebteste Coffee to go an der Tankstelle. In einem Kanal, in dem sich Sortimente, Besitzverhältnisse und Vorschriften laufend verschieben, ist diese Ruhe ein Geschenk.
Sie verlagert die Arbeit dorthin, wo sie tatsächlich Geld bringt: weg vom Rezept, hin zu allem, was um den Becher herum passiert.
Stabilität ist eine Ertragsqualität
Kaffee ist der verlässlichste Ertragsträger im Tankstellenshop, und zwar genau deshalb, weil sich die Präferenz kaum bewegt. Cappuccino, Latte Macchiato und Café Crème halten seit Jahren ihre Ränge. Wer plant, kann sich darauf verlassen.
Der Deutsche Kaffeeverband meldete im März 2025 einen Pro-Kopf-Konsum von rund 163 Litern, ein Plus von zwei Prozent bei der ganzen Bohne und ein Plus von einem Prozent im Außer-Haus-Konsum. Das ist ein Sockel, kein Boom. Sockel aber sind das, worauf sich ein Shop kalkulieren lässt.
Genau darin liegt die Versuchung. Eine Kategorie, die von allein läuft, lädt dazu ein, an ihr zu experimentieren: neue Sorten, neue Preislogik, neue Automatengeneration. Wer daran dreht, dreht am Deckungsbeitrag der ganzen Station. Der Hebel liegt woanders.
Die eigentliche Stellschraube heißt Wartezeit
Der Kunde entscheidet sich für den Cappuccino, bevor er die Tür öffnet. Was danach passiert, entscheidet über den Bon. Steht jemand vor dem Automaten, läuft der Mahlvorgang, ist der Milchbehälter voll, wie lang ist die Schlange an der Kasse?
Jede dieser Sekunden ist messbar. Bormann & Gordon erfasst Frequenz und Verweildauer am POS mit Lichtschranke und 3D-Kamera, anonym und ohne Aufzeichnung, und ergänzt das durch rund 30.000 Geschäftsbesuche im Jahr. Aus diesen Erhebungen entsteht ein Bild, das die Kasse allein niemals liefert: Wo genau der Shopper steht, wie lange er dort steht und woran sein Blick hängen bleibt.
Wartezeit ist dabei zweischneidig. Zu lang, und der Kunde geht ohne Kaffee. Richtig genutzt, ist sie die einzige Phase im Shop, in der ein Mensch freiwillig stillsteht und sich umsieht. Diese Sekunden gehören zu den wertvollsten Kontaktstrecken der gesamten Station.
Der Becher ist Kostenstelle und Werbefläche zugleich
Seit Mai 2025 melden Betreiber ihre Mengen im Einwegkunststofffonds. Für Getränkebecher liegt der Abgabesatz bei 1.236 Euro je Tonne. Das verändert die Rechnung einer Kategorie, deren Verpackung bislang als Selbstverständlichkeit galt.
Parallel prüft Berlin seit April 2025, wie sich Mehrweg im Takeaway breiter durchsetzen lässt. Für den Shop heißt das: Der Mehrwegbecher wandert von der Nachhaltigkeitsfolie in die Betriebswirtschaft. Und er bringt eine Chance mit, die häufig übersehen wird. Ein Becher, der die Station verlässt, trägt das Logo dorthin, wo der nächste Kaufimpuls entsteht.
Am Ende zählt der Zweitkauf
Der Weg vom Automaten zur Kasse ist die kürzeste und die teuerste Strecke im Shop. Wer dort ein Croissant, einen Riegel oder ein Sandwich mitnimmt, verdoppelt den Bon. Wer mit einem Becher in der Hand an leeren Flächen vorbeigeht, hat lediglich Kaffee gekauft.
Shell hat sein Shopgeschäft im Juli 2025 in diese Richtung geschärft und stellt Kaffee, Snackification und ein gestrafftes Sortiment unter die Leitidee „Food for now". Der Ernährungsreport des BMEL stützt die Richtung: 54 Prozent der Befragten wünschen sich unterwegs Abwechslung. Die Mahlzeit zerfällt in Anlässe, und der Kaffee ist der Anlass mit der höchsten Frequenz.
Ob daraus ein Zweitkauf wird, hängt an Platzierung und Reihenfolge. Steht das Gebäck im Blickfeld des Wartenden oder hinter ihm? Liegt der Snack auf Augenhöhe oder in der Quengelzone, in der schon alles andere um Aufmerksamkeit ringt? Der B&G Shopper Monitor Tankstelle stellt diese Fragen seit 2004 mit rund 2.500 Kundeninterviews im Jahr direkt am POS, ergänzt um die Sicht der Pächter.
Was Betreiber daraus mitnehmen
Die gute Nachricht der Aral-Studie ist ihre Langeweile. Solange die Präferenz stabil bleibt, lohnt sich jede Investition in den Weg des Shoppers doppelt, denn sie wirkt über Jahre und nicht nur über eine Saison.
Drei Fragen genügen für den Anfang: Wie lange wartet Ihr Kunde tatsächlich? Was sieht er in dieser Zeit? Und was liegt zwischen Automat und Kasse in Reichweite seiner freien Hand? Die Antworten darauf lassen sich messen, und wir sprechen gern darüber, wie das an Ihren Stationen aussieht.